Das Mittelburgenland- 5. Von einer Burg mit einem „Kultraum“ / Pars Primus

Weiter geht es nach Unterloisdorf, wo sich in Richtung Oberloisdorf bei einer Kapelle eine Taboranlage befinden soll, dann nach Mannersdorf, wo ebenfalls eine derartige verschwundene Anlage zu finden ist. Uns aber steht der Sinn nach Größerem und so geht es vom Rabnitz- ins Günstal nach Rattersdorf, wo wir links nach Güns/ Köszeg fahren könnten, dem einstigen Zentrum der Region, das sich aber 1921 für Ungarn entschied. Wir biegen rechts ab und fahren entlang der österreichisch- ungarischen Grenze bis zu dem Ort, der für Geschichtsinteressierte und damit auch für uns etwas ganz besonderes ist. Es ist quasi heute ein Zentrum, über dessen Geschichte wir schon viel nachgedacht haben und es auch wohl noch tun werden. Ein Ort mit vielen Rätseln, eigenartigen Hypothesen und vor allem, ja vor allem einer Burg!

Wir befinden uns in Lockenhaus.

Ja endlich haben wir es mal mit einer Burg zu tun, der einzigen in dieser Region. Auf den ersten Blick könnten wir sagen, dass diese Burg ganz passabel zu den anderen vier Burgen des Burgenlandes (Bernstein, Forchtenstein, Güssing sowie Schlaining) passt, wenn sie auch diesen nicht ähnlich sieht (was aber generell nicht der Fall ist). Uns fällt freilich auch die Nähe zu Bernstein und Schlaining auf, die aber von Lockenhaus aus nicht zu sehen sind. Die Freude, hier mal eine schöne Burg zu sehen, steigt ins unermessliche.

Wir bezahlen den Eintritt und treten in den Unteren Hof, der aus dem 17. Jahrhundert stammt. Vor uns steht stolz der Eingangsbereich, bestehend aus einer Stiege, einem kleinen Turm und dem Bergfried. Zwischen der Stiege und dem kleinen Turm ist in einer unverputzten Wand  passenderweise eine Uhr angebracht, ein Symbol für Vergänglichkeit.

Wir gehen die Stiege hinauf und betreten die Burg und befinden uns in einem überdachten Bereich. Rechts geht es in die Küche. Damit haben wir grundsätzlich nicht gerechnet, als erstes den Kochplatz zu sehen, aber wie wir wissen, hat jede Burg ihre Eigenheiten, so auch Lockenhaus.

Bleiben wir bei den Eigenheiten.

Wir können links über die Stiege hinauf in den Burghof gelangen. Oder wir betreten gerade aus einen Kellerabteil, das unter dem mächtigen fünfeckigen Bergfried liegt.

Wir entscheiden uns für das Kellergeschoss des Bergfrieds. Dieser ist ein so genannter Keilturm, also fünfeckig mit einer Spitze nach außen. Wir kennen solche Türme aus dem Waldviertel, etwa Arbesbach, Buchenstein (deren Grundriss wegen dem Gelände Lockenhaus nicht unähnlich war), Raabs, Rastenberg oder Schauenstein, südlich der Donau sind uns Freyenstein und Kammerstein bekannt.

Wir gehen einen Raum weiter und dann….ja dann…stehen wir in einem Raum, der uns sehr eigenartig vorkommt. Neben dem Zugang, durch welchen wir kamen und der auffällig jung ist, weist er an der Decke eine Öffnung in den Hof auf. Bis zur Schaffung des Zugangs, durch welchen wir kamen, war dies die einzige Verbindung zu diesem Raum. In der Mitte des Bodens befindet sich eine Vertiefung.

Wir schauen uns um. Die Wände sind von grünen Algen geprägt. Der Raum besaß zwei Apsiden (eine wurde durch den „Zugang“ zerstört), also halbrunde Bautypen, die wir von sakralen Räumen her kennen. Doch ein sakraler Raum mit einem kleinen Zugang durch die Decke….das klingt eher mysteriös als realistisch, eher nach Dan Brown als nach plausiblen Hypothesen. Wir sind geneigt, hier eine erstaunliche große Zisterne an zu nehmen und zu vermuten, dass diese Burg von einem sehr reichen und vor allem Bauherren, der Kontakte bis in den Mittelmeerraum pflegte, errichtet wurde. Ein Bauherr, der also weit herum kam. Uns fällt sofort Banus Dominik Bors ein, der Gründer von Klostermarienberg, der aber eben nicht (!) weit herum kam, obgleich er das Kreuz genommen hatte. Besteht hier eine Verbindung? Als wir noch einmal auf die Decke blicken, erkennen wir ein Tatzenkreuz. Wir kennen dieses Symbol für einen spezifischen Ritterorden, nämlich jenen der Templer. Doch was hätte dieser Orden, der vor allem im Heiligen Land und in Frankreich tätig war (und dort auch vernichtet wurde), gerade in Lockenhaus getan?

Gerhard Volfing tritt aus der Dunkelheit zu uns. Er hat vor 20 Jahren versucht, etwas Licht in die Geschichte von Lockenhaus zu bringen. Seine Hypothese ist schnell formuliert: Lockenhaus war eine Templerburg. Dafür sprechen vor allem die baulichen Beweise. Der Zweiapsidenraum- in der Populärliteratur als „Kultraum“ bezeichnet-, die Kapelle und der Rittersaal sollen auf ihr Konto zurück gehen, da vor allem Templer solche Bauwerke errichten konnten und weil Kreuzfahrerburgen Ähnlichkeiten mit Lockenhaus aufweisen. Kritiker sehen in Volfings Hypothesen freilich keinen Zusammenhang zu den Templern und verwerfen genüßlich diese Hypothese. Wir wollen uns aber diese Sache etwas näher ansehen.

Fortsetzung folgt.

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