Das Mittelburgenland- 4. Von einem Zisterzienserkloster, das verschwunden ist.

Wir fahren weiter. In Frankenau wird eine Burg vermutet, aber ihr Standort ist nach wie vor spekulativ, daher geht es weiter. Vor Unterlois biegen wir links ab und gelangen zu einem Ort namens Klostermarienberg.

Lassen Sie sich mal diesen Namen „Klostermarienberg“ ein wenig auf der Zunge zergehen. Ist er nicht schön? Ein wenig so wie „Allerheiligen im Mühlkreis“ oder? Eben etwas Besonderes.

In der jüngeren österreichischen Geschichte kam diesem Ort, der seit 1921 neben der Grenze liegt, eine historische Rolle zu: Am 29. März 1945 betraten hier russische Soldaten erstmals ehemals österreichischen Boden. Damit begann hier die Geschichte der Befreiung und Errichtung des neuen Österreichs, der Zweiten Republik.

Uns aber interessiert dieser Abschnitt nicht so sehr, wir wollen tiefer in die Materie der Geschichte dieses Ortes tauchen.

Fangen wir mal damit an uns zu fragen, warum dieser Ort diesen Namen hat. Ein Ort mit dem Namen „Klostermarienberg“ muss ja irgendetwas Sakrales aufweisen, so unser Gedanke, bevor wir diesen Ort erreichten. Und tatsächlich thront hier eine barocke Kirche mit einem kleinen Kloster.

Das heutige Kloster von Klostermarienberg wirkt aber nicht alt, ist es aber dennoch und das hat seinen Grund, wie wir bald heraus finden werden. Hier befand sich im Mittelalter eine Zisterzienserabtei. Ja Klostermarienberg war mal gleich Heiligenkreuz, welches für dieses Kloster von besonderer Bedeutung war, denn Heiligenkreuz stand von Anfang an etwas schützend hinter dieser Abtei. Das ist für uns ein Glücksfall, denn wir wüssten sonst kaum etwas über die Geschichte des Klosters Marienberg. Aber alles der Reihe nach.

Alles beginnt um 1190. Dominik Bors, Banus von Kroatien, nimmt das Kreuz und gelobt eine Fahrt in das Heilige Land, die er dann doch nicht unternimmt. Als Reue über sein Vergehen stiftete er ein Kloster, das seinen Namen tragen sollte (Bors monostra) und übertrug es den Zisterziensern. In Quellen lässt sich das Stiftungsgut lesen:

Dreihundert Mark Silber, hundert Ochsen, fünfzig  hundert Kühe, tausend Schafe, zwanzig Knechte sowie acht Ortschaften samt Mühlen und Weinbergen sollen an die Neugründung gegangen sein, ein großer Besitz, den der Doch- Nicht- Kreuzritter da hergab.

In den folgenden Jahren erhielt das Kloster einige Schenkungen und wurde von den Bors, aber auch vom damals recht alten Banus Iwan von Lutzmannsburg als Grablege bestimmt.

Es gab aber auch relativ bald Streitigkeiten mit den umliegenden Adeligen, die 1207 sogar den Papst aufmerksam machten. 1217 steckte das Kloster in derartige wirtschaftliche Schwierigkeiten, dass der Abt wegen „Armut und Neuheit“ nicht beim jährlichen Generalkapitell in Citaeux erschien.

Auch mit der Gründerfamilie gab es Turbulenzen, sodass 1224 König Andreas II. den Grafen Nikolaus von Güns beauftragte, die Abtei gegen Gewalttaten ihres Vogtes Bors zu schützen. Damit kamen die Marienberger Mönche erstmals in Berührung mit den Günsern. Andreas II. war dem Kloster nunmehr ebenso zugetan, bestätigte seine Besitzungen und schenkte den Mönchen Anteile an der königlichen Saline zu Ödenburg. Dennoch wollten die Mönche 1231 das Kloster wieder verlassen.

1240 starben die Bors aus und das Kloster, das zu dieser Zeit noch dazu von den Mongolen zerstört worden war, hatte nun den Gespan von Ödenburg (und nicht den Gespan von Lutzmannsburg!) als Vogt. Es wurde wieder aufgebaut und entgegen der eigentlichen Ordenregel mit einer Apsis versehen.

Das Kloster hatte demnach einigen Besitz und blieb über dreihundert Jahre bestehen. Im 14. Jahrhundert erhielt es verzierte Bodenfliesen, deren Bruchstücke bei archäologischen Grabungen gefunden wurden. Dann kamen die Osmanen. 1529 und 1532 wird Marienberg zerstört und bleibt letztendlich eine Ruine. Das Urkundenmaterial ging zum größten Teil verloren.

Nahezu 150. Jahre blieb das Kloster- mit Ausnahme der Kirche- in diesem Zustand, ehe Palatin Esterházy Pál das Grundstück erwarb und ein neues Kloster zu gründen gedachte. Aber dieser Plan ging nicht auf, der Bau kam an das Stift Lilienfeld, das heute noch im Besitz von Klostermarienberg ist.

Eine Frage stellt sich uns vor Ort, nämlich wie die Mönche hier einst gelebt haben. In den 1990er Jahren ging man dieser Frage auf wissenschaftlicher Ebene nach. Am Friedhof bei der ehemaligen Stiftskirche wurden 1006. Skelette gefunden, während auf dem Dorffriedhof ab dem 17. Jahrhundert über 900. Personen bestattet waren. Von den 1006. Skeletten untersuchte man 37. näher. Diese Individuen hatten im Mittelalter gelebt. Dabei konnte ein Durchschnittsalter von 39. Jahren eruiert werden. Keiner der Mönche wurde älter als 49, das jüngste- ein Kind- war um die zehn Jahre alt.

Die Skelette wiesen eine Körperhöhe von durchschnittlich 167, 4 cm auf (der Größte war 173,5 cm groß). Acht Skelette wiesen Wirbelsäulenerkrankungen auf (was auf die Ernährung und dem damit verbundenen Vitaminmangel zurück zu führen ist), während ansonsten kaum Abnützungen zu beobachten waren.

489 gefundene Zähne wiesen Karies auf, obgleich die Zähne insgesamt starke Abnützungen hatten, was auf grob gemahlenes Mehl zurück zu führen sei (die Zisterzienser aßen grundsätzlich kein Fleisch).

Wir resümieren: Die Mönche von Klostermarienberg wurden im Durchschnitt 39. Jahre alt, wurden etwa 167 cm groß, hatten großteils bei den Zähnen Probleme, während die restlichen Gelenke nicht derartig „beeinträchtigt“ waren.

In der Kirche selbst war eine Gruft, in der im 15. Jahrhundert ein kaum 20. Jähriger Mann beigesetzt wurde.

Mit dieser recht interessanten Erkenntnis über das Leben AnnO DazumalS verlassen wir diesen interessanten Erinnerungsort wieder.

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