Das Badener Ruinendreieck (Rauheneck / Rauhenstein / Scharfeneck)

Rauheneck / Rauhenstein / Scharfeneck

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Anfahrt:  Über die Westautobahn A1 abzweigen zur A 21 (Wiener Außenring-Autobahn), Abfahrt Alland, durch das Helenental nach Baden. Oder über die Südautobahn A2, Abfahrt Baden. Parkplatz bei der Schwechatbrücke
Der Weg von Rauheneck und Rauhenstein ist relativ leicht zu finden.
Scharfeneck ist vom Restaurant Hauswiese aus zu erreichen. An Süd- (bzw. Wald-) Seite der Pferdekoppel beim Restaurant beginnt ungefähr in der Mitte der Zaunlänge der Aufstieg. Bei einer kleinen Lichtung rechts abbiegen, bis man zu den mauern gelangt.
Öffnungszeiten: Immer zugänglich

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Hinein gehts zu den Ruinen (links Rauheneck, rechts Rauhenstein)

Die Kurstadt Baden ist ein geschichtsträchtiger Ort. Schon seit den Römern erholte man sich hier und so ist es nicht verwunderlich, dass sich aus nahezu allen Epochen der Geschichte Relikte erhalten haben. Ein solcher ,,Überrest’’ des Mittelalters stellen drei Burgruinen dar, die sich am nahe gelegenen Eingang zum Helenental befinden.
Rauheneck, Rauhenstein und Scharfeneck sind jedoch nicht nur Zeugen vergangener Zeit, sondern bergen auch ungeklärte Fragen und einen Hauch Mystik.
Der Volksmund etwa weiß sehr viel von diesem Burgendreieck zu berichten. Interessanterweise sind es meistens schreckliche Erzählungen: Von Vergewaltigungen, Raubrittern und grausamen Hinrichtungen wird gesprochen. Die Geschichtsschreibung berichtet bei Rauheneck und Rauhenstein von vielen Eroberungen und Zerstörungen. Selten wurde eine Burg beziehungsweise wurden zwei Burgen so oft bezwungen wie diese. Zu letzt ist da noch die kleine Ruine Scharfeneck, deren Geschichte bis heute für sehr viel Rätsel sorgt, wobei gleichzeitig eben diese Burg so viele Sagen und Erzählungen aufweisen kann, wie keine andere des Trios.

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Ruinen Rauhenstein

Die Kurstadt Baden ist ein geschichtsträchtiger Ort. Schon seit den Römern erholte man sich hier und so ist es nicht verwunderlich, dass sich aus nahezu allen Epochen der Geschichte Relikte erhalten haben. Ein solcher ,,Überrest’’ des Mittelalters stellen drei Burgruinen dar, die sich am nahe gelegenen Eingang zum Helenental befinden.
Rauheneck, Rauhenstein und Scharfeneck sind jedoch nicht nur Zeugen vergangener Zeit, sondern bergen auch ungeklärte Fragen und einen Hauch Mystik.
Der Volksmund etwa weiß sehr viel von diesem Burgendreieck zu berichten. Interessanterweise sind es meistens schreckliche Erzählungen: Von Vergewaltigungen, Raubrittern und grausamen Hinrichtungen wird gesprochen. Die Geschichtsschreibung berichtet bei Rauheneck und Rauhenstein von vielen Eroberungen und Zerstörungen. Selten wurde eine Burg beziehungsweise wurden zwei Burgen so oft bezwungen wie diese. Zu letzt ist da noch die kleine Ruine Scharfeneck, deren Geschichte bis heute für sehr viel Rätsel sorgt, wobei gleichzeitig eben diese Burg so viele Sagen und Erzählungen aufweisen kann, wie keine andere des Trios.

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Ruine Scharfeneck

Hulda, die Tochter des ersten Rauhensteiners soll die sagenhafte ,,Spinnerin am Kreuz’’ gewesen sein, die jahrelang auf ihren Geliebten Adolf von Liebeck gewartet hat, der, wie viele Ritter um 1190, in den Kreuzzug gezogen war. Dieser könnte, Erzählungen nach, auf Hulda  zu Gunsten seines Freundes Walter von Merkenstein verzichtet haben, der ebenfalls um Hulda geworben hat. Da man seiner Dame ein nützliches Geschenk aus dem Heiligen Land zu bringen verpflichtet war, brachte Merkenstein Safran mit. Anderen Überlieferungen nach hat der von Liebeck dem von Merkenstein Safran mitgegeben. Die Safrankultur blieb in Baden bis 1850 aufrecht.
Die Thematik ,,Kreuzzug’’ spielt im Sagenschatz der drei Anlagen eine zentrale Rolle. Es wird auch vermutet, dass Scharfeneck Sitz einer Templerkommune war, die nach Auflösung des Ordens gnadenlos verfolgt und deren Mitglieder am gegenüberliegenden Urteilstein ermordet worden sind. Die Leiche des jüngsten Templers, am Grund der Schwechat versunken, soll noch heute in mondhellen Nächten zu sehen sein.

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Der dreieckige Bergfried von Rauheneck gibt Rätsel auf…

Es wird auch angenommen, dass der dreieckige Bergfried von Rauheneck von einem Ritter Berchthold nach einem Bauplan aus dem Heiligen Land errichtet worden ist. Im Keller des Turmes soll ein glückbringender Talisman gehangen sein.
Was Scharfeneck betrifft, gibt es noch eine Sage, die über die Gründung der Burg berichtet. Ein armer Ritter soll gar den Teufel gebeten haben, ihm eine vollständige (!) Burg zu errichten. Bei Heirat des Ritters gehöre dessen Seele aber dem Belzebub.
Als der Ritter nun nach einigen Jahren eine Rauhensteiner Tochter heiratete, gelang es einem Einsiedler den Höllenfürsten zu besiegen, indem er die Erfüllung des Versprechens des Teufels als unvollständig bezeichnete, da der Teufel klarerweise keine Kapelle errichtete hatte.
Tatsächlich befand sich die einstige Kapelle von Scharfeneck etwas außerhalb der Burg.
Nach einer anderen Sage soll um 1178 ein Ritter Hermann, der nur die kleine Anlage und die Wälder rundherum besaß, sich als Raubritter betätigt haben.
Einen klaren Kern kann man aus diesen beiden Sagen herauslesen: Scharfeneck, ursprünglich vielleicht Wolfsberg geheißen, war eine kleine Burg mit wenigen Untertanen, die recht bald in Abhängigkeit Rauhensteins geriet. Die Geschichte von den hingerichteten Tempelrittern greift eventuell auf andere Ereignisse im 15. Jahrhundert zurück, auf die noch eingegangen werden wird.

Zurück zur Geschichte. 1233 stirbt Otto der Turse von Rauhenstein. Da danach kein Rauhensteiner mehr genannt wird, scheint es, dass dieser Zweig ausgestorben ist. Andererseits sind ab 1248 die Tursen auf Lichtenfels bei Zwettl urkundlich fassbar, was auch auf eine Abwanderung von Rauhenstein ins Waldviertel deuten könnte. Wie dem auch sei, Rauhenstein kam nach 1233 an die Pillichsdorfer und Scharfeneck dürfte mit Rauhenstein ebenfalls ihnen zugefallen sein. Mit den Tursen auf Rauheneck bestand weiterhin eine familiäre Bindung, die durch weitere Hochzeiten gefestigt wurde.
Dass es jedoch nicht immer ganz friedlich zuging, erzählt die Sage von Helena von Rauheneck, die in den Rauhensteiner verliebt war. Doch die damaligen Herren der beiden Burgen waren Feinde.

PD_36_File_001 Der Bergfried von Rauhenstein

Als nun Helene von ihrem Vater in flagranti erwischt wurde, geriet er darüber derart in Zorn, dass er die eigene Tochter den Felsen hinab stürzte. Wie durch Wunder überlebte Helene den Sturz, da ihre Gewänder eine Fallschirmwirkung hatten.  Durch diese wundersame Errettung versöhnten sich die Burgherren und das Tal zwischen den Burgen erhielt den Namen Helenental. Eine zweite Sage geht leider traurig aus. Elsbeth von Rauheneck war in Ulrich von Gutenstein verliebt, dem Burgherren zu Rauhenstein jedoch versprochen. Ulrich begab sich auf Kreuzzug und fiel. In seiner letzten Stunde bat er seinen Knappen, sein Herz Elsbeth zu bringen. Diesem gelang es bis nach Rauhenstein zu kommen, wo die mittlerweile mit dem Rauhensteiner verheiratete Elsbeth wohnte. Vor dem Tor der Burg wurde er jedoch festgenommen. Unter der Folter gestand er erst den Auftrag. Erzürnt über diese Liebschaft ließ der Rauhensteiner das Herz des Gutensteiners seiner Gemahlin als Schweineherz zur Speise bringen. Als sie davon gegessen hatte, offenbarte er das Geheimnis. Elsbeth verweigerte daraufhin jegliche Speise und starb neun Tage später, den Rauhensteiner fand man einige Zeit später mit umgedrehtem Kopf.
Auch diese Sage hat einen wahren Kern. Elsbeth von Rauheneck hat es tatsächlich gegeben, von einem Ulrich von Gutenstein ist hingegen nichts bekannt. Dafür war Elsbeth gleich zweimal mit einem Ulrich verheiratet, nämlich Ulrich von Capellen und dann Ulrich von Pillichsdorf, dem Burgherren zu Rauhenstein. Gestorben ist sie 1300.
Der Bruder von Ulrich von Pillichsdorf, Heinrich, soll Raubzüge zu den Wiener Weinbergen unternommen haben. Ob Heinrich, wie viele Historiker annehmen, auf Rauheneck lebte, ist eher zweifelhaft, da die Burg damals noch im Besitz der Tursen war. Vielleicht verwaltete Heinrich Rauheneck für die Tursen, vielleicht war Scharfeneck seine Burg. Die Wiener aber ließen sich die Plünderungen nicht gefallen und

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In der Kapelle von Rauheneck…

schlugen zurück. Im Jahre 1299 belagerten und eroberten sie zumindest Rauhenstein.

Der Chronist Ottokar von Horneck schreibt:
Und höret was sie taten
Den Fürsten sie baten
Er möge ihnen erlauben…
Dass sie sich an der Feste rächen
Und sie niederbrächen…
Und sie rächten sich an der Klaus,
sie zerbrachen das Haus,
als ob niemals davor
ein Stein ragt empor!
Mit der ,,Klaus’’ könnte auch Scharfeneck gemeint sein, denn die Burg befindet sich direkt neben einer Engstelle (Klause) der Schwechat (der Urteilsstein am anderen Ufer des Baches wurde bereits erwähnt) und erhielt im Volksmunde den Namen Klösterl, was sich auch von Klause ableiten könnte. Archäologisch zeigt sich, dass Scharfeneck um 1300 verlassen aber nicht von fremder Hand zerstört, sondern gezielt abgebrochen worden ist.
Die Wiener eroberten die Burg und verwüsteten sie. Den Pillichsdorfer fanden sie erst nach einigen Tagen, in einem Winkel der Burg verkrochen und halb verhungert. Der Pillichsdorfer konnte sich schließlich auf seinen Burgvogt herausreden und erhielt die Erlaubnis, die Burg wieder auf zu bauen.

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Ein letzter Rest des Scharfenecker Bergfrieds…

In den 1380ern gelangten Rauheneck und  Rauhenstein an einen neuen Besitzer. 1384 starben die Tursen auf Rauheneck aus, ihnen folgten die Wallseer. Auf Rauhenstein folgten 1386 die Puchheimer. 1405 wird  erstmals ein Friedrich von Scharfeneck urkundlich genannt. In wie weit die Burg damals noch bewohnt war, ist unklar.
Im Streit um die Vormundschaft über den jungen Herzog Albrecht V. wird Rauheneck von den Truppen Herzog Leopolds IV. 1408 erobert, doch König Sigismund belehnt die Wallseer 1409 wieder mit der Burg. Auch Rauhenstein wird erobert und geplündert.
1461 wird Rauheneck angeblich von den Hussiten erobert, eine insofern falsche Aussage, als es damals keinen Hussitenkrieg gab. 1463 erobert Franz von Haag, gefürchteter Raubritter und selbst Hussit, die Burg. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass ihm die Burg schon seit etwa 1460 gehörte.
Noch 1463 wird sein offenkundig und er und seine „böhmischen Brüder“ werden hingerichtet.
Hier könnte man eine Parallele zur Templerverfolgung auf Scharfeneck ziehen.
Willhelm von Puchheim auf Rauhenstein wiederum überfiel 1466 mit seinem Freund Jörg von Stein den Tross der von Heiligenkreuz heimkehrenden Kaiserin Eleonore. Ein besonderer Verlust für die Kaiserin waren zwei Hemden, denn sie hatte insgesamt nur drei: das dritte hatte sie klarerweise an. Ihr wurde so zu sagen fast das letzte Hemd geraubt.

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Wo schon einst die geraubten Hemden der Kaiserin gelagert wurden…

Kaiser Friedrich III. zögerte nicht lange. Auf seinen Befehl wurde Rauhenstein belagert und erobert, dem Puchheimer gelang die Flucht durch ein Hintertürchen. Die zwei gestohlenen Hemden wurden schließlich zurück erstattet, doch Rauhenstein war für die Puchheimer verloren.
Ab 1467 waren Rauhenstein und Scharfeneck geteilte Herrschaften. Während Rauhenstein landesfürstlicher Besitz wurde, kam Scharfeneck 1470 an den St. Georgs Orden, den der Kaiser 1469 gegründet hatte. Angeblich soll zu dieser Zeit ein großes Fest stattgefunden haben. Unklar ist, ob Scharfeneck damals noch bewohnt war. Archäologische Funde sprechen dagegen. 1476 kommt Scharfeneck an Ulrich Kamper. Die Burg wird damals als ,,Haus’’ bezeichnet, sie war also damals noch in gutem Zustand. Bis 1517 ist Scharfeneck eine eigene Herrschaft, dann wird sie wiederum Rauhenstein angegliedert. Die Kamper nennen sich noch bis ins 17. Jahrhundert nach Scharfeneck. Die Burg wird jedoch bereits 1553 als verfallen bezeichnet und verschwindet aus den Annalen.
1483 wird auch Rauheneck landesfürstlich. 1529 werden Rauheneck und Rauhenstein zerstört, bei Scharfeneck ist die Situation unklar.
Während Rauheneck dem Verfall überlassen wird, wird Rauhenstein wieder aufgebaut und ab nun Zentrum der drei Herrschaften. Im 17. Jahrhundert wird Rauhenstein sogar noch einmal ausgebaut, sodass Georg Matthäus Vischer einen intakten Burgkomplex darstellen kann. Nach 1683 verfiel auch Rauhenstein immer mehr. Mit der Einführung der Dachsteuer im 18. Jahrhundert war das Schicksal der Burg endgültig besiegelt. Nun wurde auch Rauhenstein zur Ruine.

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Rauhenstein

1800 siedelte die Firma Mühlbeck und Hebenstreit eine Terpentinfabrik in den Ruinen von Rauhenstein an. Bis 1808 blieb das Unternehmen in ihren Mauern. Erst dann kam das Bild der Romantik auch in das Helenental. Die Türme von Rauheneck und Rauhenstein wurden mit Stiegen versehen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Romantik hielt nun Einzug, verdrängte die eigentliche Geschichte und schuf zum Teil eine Scheinwelt, mit der bis heute alle drei Anlagen zum Teil behaftet sind. Der Versuch, diese Geschichte wieder zu ,,entzaubern’’, ist erst seit dem 20. Jahrhundert im Gange. Immerhin konnte bei einem Erdrutsch 1923 ein Erdstall zur Burgruine Scharfeneck gefunden werden. Auch dem Phänomen um die angeblichen Geistergestalten rund um die Ruinen Rauheneck und Rauhenstein wollte man auf den Grund gehen. Ein Nachtwächter namens Guttenbrunner wagte den Versuch und bezahlte damit mit seinem Leben: am 16. April 1945 wurde er in einer der Ruinen tot aufgefunden. Immerhin wurde der Burggeist von Rauheneck, Thurso, erlöst. Aus der Föhre, die am Bergfried gewachsen war, wurde eine Wiege gezimmert, und da das erste  Wiegenkind Priester wurde, war der Burggeist erlöst.

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Ruine Rauheneck

Ein bis heute ungelöstes Rätsel stellt die Form der Burgtürme dar.
Während Rauhenstein einen typischen viereckigen Turm hat, hat Rauheneck einen dreieckigen. Eine Form, die in Österreich sehr selten vorkommt und auch in der steirischen Ruine Alt- Waldstein anzutreffen ist, die sich im 14. Jahrhundert im Besitz der Wallseer befand und möglicherweise dem niederösterreichischen Vorbild nachgebaut wurde.
Spekulation bleibt bis heute der Bergfried der Ruine Scharfeneck. Da sich nur wenige Mauerreste erhalten haben und eine archäologische Ergrabung bis dato nicht unternommen worden ist, begnügten sich die Forscher bis dato mit wahrscheinlichen Theorien. Neben der Vermutung eines Rundturmes wurde die Behauptung aufgestellt, dass Scharfeneck einen fünfeckigen Bergfried gehabt hätte, was auch der Vischerstich von 1672 bestätigen
würde.
Drei verschiedene Türme, drei Geschichten und doch eine geometrische Linie. Eigenartigerweise entspricht der Luftlinienabstand zwischen Rauhenstein und Rauheneck  dem von Rauhenstein und Scharfeneck.
Den Mittelpunkt in diesem Dreieck bildet noch heute die Schwechatbrücke beim Hotel. Ein Zufall? Oder ein weiteres ungelöstes Rätsel?

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Der Text wurde im Frühjahr 2013 geschrieben, die Bilder stammen vom 26. Dezember 2011.

 

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