Burg Devín

 

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Bild: Tourismusverband

Vorwort von Imago Nuntius

Diese Burg ist eine der größte und wichtigsten in der  gesammten Donauregion. Schon in grauer Vorzeit wurde der Burgfelsen wegen seiner exponierten Lage besiedelt und erlangte schnell eine wichtige strategische Bedeutung. Aber vorallem für die Slowaken ist dieser Ort ein Nationalheiligtum und bedeutungsschwer.

Parken: Sinnvoll ist es gegenüber dem Friedhof zu parken und die wenigen Schritte zur Burg zu gehen: Kremeľská 4137/144 841 10 Devín

Öffnungszeiten:

Oktober-April: Di-So von 10.00 bis 17.00 Uhr, letzter Einlass 16.30 Uhr

Mai bis September: Mo-Fr 10.00 bis 18.00 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr
Sa-So 10.00 bis 19.00 Uhr, letzter Einlass 18.30 Uhr

Im Augenblick (2016) beträgt der Eintrittspreis 4 Euro – Kinder ermäßigt

bedhindertengerecht

Offizielle Homepage: https://www.visitbratislava.com/de/setzt/burg-devin/

Anreise:

a) Auto: Achtung! Auf den slowakischen Autobahnen ist Vignettenpflicht…auch für wenige Meter. Aber über Hainburg bequem auf der Bundesstrasse zu erreichen.

b) mit dem Rad: entlang der Donau. hier nur eine von vielen Möglichkeiten: http://www.bergfex.at/sommer/niederoesterreich/touren/radfahren/33173,schlosshof-devin-bratislava-hainburg/

c) mit dem Schiff: von Wien oder von Bratislava – unterhalb der Burg befindet sich eine Anlegestelle. Es gibt gute Kombiangebote: http://www.donaureisen.at/sonderangebote/schifffahrten/kurier-schifffahrt-zur-marchmuendung-devin/

Essen: tja, um ehrlich zu sein, auch wir sind auf der Flucht vor Regen in eine klassische Touristenfalle getappt. Nur soviel sei gesagt, das es in der Altstadt von Bratislava tolle Restaurantes und Bars gibt.

Tipp: einmal rund um die Burg gehen…und genügend Zeit einplanen….die Anlage ist groß.

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Der Jungfernturm der Burg. Das berühmte Fotomotiv der Burg. Von Imago Nuntius vergessen zu fotografieren, aber der Schoenleitner denkt immer an alles und das schon im Vorhinein! Das Bild wurde 2013 aufgenommen.

 Geschichte vom Schoenleitner

Wir schreiben das Jahr 1242. Herzog Friedrich II. von Österreich, ,,der Streitbare’’ steht vor den Mauern der ungarischen Feste Theben. Er erobert die Burg trotz hartnäckigen Widerstand, um so das Versprechen, das er dem ungarischen König Béla IV. abgenommen hat, brutal durch zu setzen: Für die Hilfe zur Abwehr gegen die Tartaren, die seit 1241 Ungarn verwüsteten, soll der König dem benachbarten Herzog einige ungarische Gebiete geben, darunter auch einige der Grenzfesten. Theben, die wohl mächtigste Anlage auf hohem Felsen ist dabei die begehrteste. Für die verwegene Tat des Streitbaren wird sich der Ungarnkönig vier Jahre später blutig rächen. Am 15. Juni 1246 überfällt er Österreich, der Herzog fällt und mit erlischen auch die Babenberger.

Es ist nur ein blutiges Ereignisse aus der Geschichte der mächtigen und vor allem bedeutenden Donauburg. Denn Theben, noch heute Nationalsymbol der Slowakei, war einst die westlichste Grenzfeste des ungarischen Königreiches, zu dem bis 1918 auch die Slowakei gehörte.

Dabei handelt es sich wohl um eine Verwechslung mit Theben, Der Name leitet sich vom slawischen ,,dewena’’ – junges Mädchen oder Jungfrau – und taucht schon in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts auf, als sich hier das ,,Großmährische Reich’’ erstreckte. Auf dem Thebener Felsen war damals schon eine Burg, die um 870 angeblich von Ludwig dem Deutschen erobert wurde. Aus dieser Zeit haben sich die Fundamente einer Basilika erhalten. Doch es gibt noch ältere archäologische Ausgrabungen, die eine antike Siedlung am Burgberg nachweisen konnten. Auf Theben war damals ein Vorposten zum Limes, der sich südlich der Donau befand. Auch konnte man die Reste einer frühen christlichen Basilika -der ältesten nördlich der Donau- finden.

Vielleicht ist Theben auch mit der alt- slawischen ,,Wowastisburg’’ ident, die im 6. Jahrhundert in der Fredegar- Chronik erwähnt wird. Der große Felsen hatte also schon im ersten nachchristlichen Jahrtausend eine enorme Bedeutung.

Um 900 wird Theben dann von den Ungarn erobert, die das großmährische Reich zerstörten. Die Burg selbst jedoch bleibt bestehen und wird ungarischer Königsbesitz.

In den Wirren rund um die Grenzen kann das Deutsche Heer um 1045 bis zur Leitha vorstoßen. Kaiser Heinrich III belagert Theben und Pressburg, kann beide Orte jedoch nicht erobern und begnügt sich daraufhin mit der Gründung von Hainburg und der Pottenburg.

Doch letztere fiel immer wieder in ungarischen Besitz, weswegen im 12. Jahrhundert man sich zum Bau einer weiteren Feste entschloss, die dann nächst der Fuhrt- der Überfahrtmöglichkeit- nach Theben errichtet wurde. Es ist die heutige Ruine Röthelstein.

Bis 1411 ist Theben Königsbesitz, dann verkauft König Sigismund die Burg an die Herren von Gara. Nikolaus von Gara errichtete nebst der großen Burg einen, der damaligen Mode entsprechenden, neuen Palast. 1459 werden die Grafen von St. Georg- Pösing Besitzer. Sie sind auch Herren der gegenüberliegenden Röthelstein, die damit immer mehr dem Verfall überlassen wird, da Theben als Residenz weitaus komfortabler war.

Ab 1526, als der ungarische König Lajos II. in der Schlacht bei Mohacs sein Leben ließ, änderte sich die Geschichte der Burg grundlegend. Denn das ungarische Königreich gerät nun in eine tiefe Krise. Während im Osten Jan Zápolya zum König gewählt wird, unterstützt Stephan Báthory, Palatin des ungarischen Königreiches, Ferdinand von Österreich, dem Schwager des Lajos. Zum Dank für die Unterstützung schenkte ihm der Habsburger die Burg Theben.

Die Báthorys sollten im 16. Jahrhundert eine der bedeutendsten Familien in Osteuropa werden. So wurde Stephan Báthory (1533-1586) sogar polnischer König. In die Geschichte jedoch ging vor allem Elisabeth Báthory ein. Unter ihr wurden zahlreich jungfräuliche Mädchen grausamst misshandelt, verstümmelt und umgebracht. Angeblich sollen es etwa 650 gewesen sein, die der Blutgräfin zum Opfer fielen. In wie weit sie auf Theben ihrer grausamen Beschäftigung nachging, bleibt ein Rätsel. Auch die Sage, dass sie anno 1605 Theben deswegen verkaufte, da sie Geld für neue Mägde benötigte, die sie dann wieder foltern würde, kann nicht nachgewiesen werden. Tatsache ist, dass sie den Besitz 1605 nach dem Tod ihres Bruders Stephan, womit dieser Familienzweig im Mannesstamm erlosch, übernahm und ihn zum Teil verkaufte.

Noch einmal sollte Theben in der wechselvollen Geschichte Ungarns zu dieser Zeit eine Rolle spielen. Seit 1609 ist Johann Keglevich Burgherr, just als der Siebenbürgerfürst Gábor Bethlén sich in Bratislava zum Gegenkönig ernennen lässt und fast ganz Oberungarn erobert. Auch Theben fällt und kann erst 1622 von den kaiserlichen Truppen wieder übernommen werden. Besitzer sind seit 1622 das Haus Pállfy.

Nachdem die osmanischen Truppen in den 1690ern aus Ungarn vertrieben werden, verlor die Burg immer mehr an Bedeutung. Dem Türkensturm 1683 hält sie stand, dafür wird sie 1707 von Kuruzzen verwüstet. Dennoch war sie noch immer bedeutend, sodass etwa der Mahler Canaletto sie bildnerisch festhielt. Den Schlussakt setzten 1809 die Franzosen, als sie die bereits leer stehende Feste sprengen. Theben war ab da Ruine und hatte ihre militärische Bedeutung endgültig verloren.

Doch völlig unbedeutend bleibt sie auch in Folge nicht. Nach Jahrhunderten der Zwistigkeiten ist zwar nunmehr Friede, doch dieses neue Zeitalter hat auch seine Eigenheiten. Der Nationalismus hält Einzug ins Königreich Ungarn und damit auch die Zeit der Zwistigkeiten zwischen Slowaken und Ungarn. Dabei war damals das Dorf Theben und somit auch der Burgbezirk vor allem deutschsprachig, was den nationalistischen Gefühlen der seit Jahrhunderten unterdrückten Slowaken und das der seit jahrhunderten unterdrückenden Magyaren keinen Abbruch leistete. So 1836 hielt der slowakische Politiker und Philologe Ľudovít Štúr eine bedeutende Kundgebung auf der Burg. Štúr war es, der die slowakische Sprache grammatikalisch erfasste und eine allgemein gültige slowakische Schriftsprache entwickelte. 60. Jahre später wurde auf dem Burgberg von den Ungarn eine Àrpad- Säule errichtet, die so zu sagen einen Gegenpol markieren sollte. Àrpad war der Stammvater der ersten ungarischen Königsdynastie und erster ungarischer Großfürst. 907 hatte er ein bayrisches Heer bei Pressburg geschlagen. Hier in Theben, unweit des einstigen Schlachtorts, das noch dazu den westlichsten Punkt des ungarischen Königreiches markierte, wurde nun also gegen den Westen ein sichtbares Zeichen gesetzt. 22. Jahre später wurde die Säule gesprengt. Das einstige Königreich Ungarn zerfiel in verschiedene Teile, die Tschechoslowakei entstand.

Ein eigenartiges Satyrspiel 20. Jahre später: Im Münchner Abkommen 1938 kommt Theben an das deutsche Reich und wird Teil der im März ,,heimgeholten’’ Ostmark. Das Gebiet gehört zum Reichsgau Niederdonau, eine Brückenverbindung zu diesem gab es nicht. Als Grund für diese ,,Expositurstellung’’ gab das deutsche Reich die deutschsprachige Gemeinde an. Doch auch aufgrund des Symbolcharakters dürften die Nazis den Ort ihrem Reich angegliedert haben. Sieben Jahre später wird Theben wieder slowakisch, die deutschsprachige Bevölkerung flieht. Danach wird die Grenze zur Todeszone. Etwa 400. Menschen, die der nunmehr kommunistischen Diktatur entfliehen wollten, werden getötet, ein Denkmal unterhalb der Burg, am westlichsten Punkt der Slowakei, erinnert an diese Zeit.

Weitere Infos unter http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=2012

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