Beatritz de Dia und die okzitanischen Trobairitz

Aus der Reihe „Popstars des Mittelalters“, heute: Beatritz de Dia und die okzitanischen Trobairitz

Bei Beatritz de Dia, auch bekannt als „die Comtessa de Dia“, handelt es sich um eine Vertreterin der sogenannten Trobairitz,  weiblichen Troubadouren im okzitanischen Sprachraum (Südwestfrankreich). Während es im deutschen Minnesang keine uns bekannten weiblichen Autoren gibt, so kennen wir heute die Namen von mindestens zwanzig Trobairitz, die, ähnlich wie ihre männlichen Kollegen, vor allem das Thema (der unglücklichen, nicht erwiderten) Liebe in ihren Liedern verarbeiten, sich aber auch politischen Themen widmen.

Es sind uns heute etwa 32 Lieder von weiblichen Autoren bekannt, sehr viel weniger als von den männlichen Vertretern dieses Genres. Sie machen nur 1% der gesamten Überlieferung aus (zum Vergleich: 460 männliche Autoren hinterließen uns 2600 Lieder). Von den meisten Trobairitz ist uns je nur ein Text überliefert, wobei Beatritz de Dia eine Ausnahme bildet – von ihr kennen wir fünf Lieder. Letztendlich gestaltet sich es jedoch als schwierig festzustellen, ob die heute weiblichen Autoren zugeordneten Texte auch wirklich von Frauen stammen – vor allem, wenn der Autor sich selbst nicht nennt und die Lieder ansonsten auch anonym überliefert ist. Denn aus der Sicht einer Frau zu schreiben bedeutet nicht, dass der Autor auch zwangsweise eine Frau ist.

Dass es in Südfrankreich dazu kommen konnte, dass Frauen, im Gegensatz zu andernorts, als Künstlerinnen auftraten, liegt daran, dass sie hier mehr Einfluss und Rechte hatten. Vor allem zur Zeit der Kreuzzüge, als die Männer oft über lange Zeit fort waren, übernahmen sie mehr Verantwortung, und ihre Macht wuchs dadurch an, und sie konnten sich selbst als Künstlerinnen betätigen, etwas, das andernorts nur Männern vorberhalten war.

Über Beatritz de Dia, die hier als gesondertes Beispiel dienen soll, ist uns, wie auch über ihre Kolleginnen, nicht besonders viel bekannt. Sie nennt sich in ihren Liedern nie selbst beim Namen, sondern wird nur als „cometessa de Dia“ benannt. Man geht jedoch mit großer Sicherheit davon aus, dass es sich um Beatritz, die Tochter von Graf Isoard II. von Dia handelt. In ihrer Vida (dies bezeichnet eine Lebensbeschreibung speziell auf Troubadours und Trobairtitz bezogen) wird berichtet, dass Beatritz mit Wilhelm von Poitiers verheiratet, aber eigentlich in Raimbaut von Orange verliebt war und ihm seine Lieder widmete. Es gibt aber auch Vermutungen, dass sie mit Wilhelms Sohn Ademar von Poitiers verheiratet war und Raimbaut de Vaiqueiras verehrte.
Von Beatritz stammt das einzige Lied einer Trobairitz, das uns mit einer Melodie überliefert ist, und zwar „A chantar m’er de so qu’eu no volria“. Die Melodie ist uns aus einer Liedersammlung aus dem Jahr 1270 bekannt.

https://www.youtube.com/watch?v=5Zah4VWPiNE

https://en.wikipedia.org/wiki/Beatritz_de_Dia

https://en.wikipedia.org/wiki/Trobairitz

https://www.youtube.com/watch?v=5Zah4VWPiNE
Beatriz de Dia
youtube.com

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