Altstadt Linz 2012 Vagantenlied

Das Ensemble Schulmeyster & Gefolge spielte im Sommer 2012 in der Linzer Altstadt, an dem Orte, wo Friedrich III., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, des Reiches Erzschlafmütze genannt, auf seinem Ritt zum Schloß vom Pferd fiel und sich den Fuß brach, Lieder zum Thema *Frau! ich pin dir unterthan und andre Moritaten*.

Zu hören ist das Vagantenlied *Michi confer venditor*.

Vaganten waren herumziehende, soganannte vazierende Gesellen, meist Theologiestudenten, welche keine Anstellung fanden oder das freie Studentenleben vorzogen. In Schänken lobten sie die drei großen Wehs des Mittelalters: Wein, Weib und das verfluchte Würfelspiel.
Zu ihnen gesellten sich wohl gelahrte und pensionierte Hofbeamte, Schul- und Hofräte, welche in der Anonymität des Lateins, welches als Amtssprache nur ein kleiner Kreis so wirklich verstand, Kritik an den herrschenden Zuständen übten oder die freie Liebe besangen.
In *Michi confer venditor – Chramer gip die varwe mir* verleihen sie einer Frau Stimme, die, frei für die heutige Zeit übersetzt ein Kosmetikgeschäft betritt und unverhohlen Rouge und Schminke und Wohlgerüche für Wangen und Lippen verlangt, damit die Männer ihr sich zuneigen und in Liebe, sogar Raserei über ihre Schönheit verfallen.
Frau: Liebe macht Euch hochgemut und läßt Euch in hohen Ehren prangen, seht mich an, junger Mann, ich will Euch gefallen!
Die anschließende Improvisation führt zur Abwandlung der Melodie und soll die Wechselfälle der Liebe verdeutlichen, die Aufregungen, die Glut und die Besessenheit im immer schneller werdenden Rhythmus bis der Dudelsackspieler mit *Stille, Stille, kein Geräusch gemacht* zur Besonnenheit rät. Der Geiger aber, während des heißen Tages durstig und der Tollheit überdrüssig lobt eines der mittelalterlichen Wehs und fordert *Bier her, oder i fall um!*

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