Altstadt Linz 2012 Minnelied Walther von der Vogelweide: Under der Linden

Der Minnesang war im Gegensatz zum Vagantenlied eine Standesdichtung, handelte von Adeligen und wurde von Personen ritterlichen Geblütes an fürstlichen Höfen vorgetragen.

In der Hohen Minne, der donauländischen, mit der Achse Passau, Linz Altstadt!, Wien verherrlichte der „Chansonnier“ die unerfüllte Liebe zu einer ihm höhergestellten, verheirateten Dame, verkündete ihre Schönheit, Tugendhaftigkeit und Vollkommenheit und beklagte ihre Unerreichbarkeit.

In seiner Jugend zog Walther von der Vogelweide nach Wien und lernte von den dort etablierten Minnesängern, die mit heute noch begeisternder Wortkunst, Lautmalerei und Rhythmik die „überhere“ Dame, die Herzogin, rühmten, „singen unde sagen“.

Allmählich wandte sich Walther von dieser weltfremd geworden Lyrik ab, sie war ihm verwunderlich, die traditionellen und subventionierten Staatskünstler waren nämlich – wie auch das Objekt ihrer Lobpreisungen – in die Jahre gekommen, und benahmen sich dennoch, als wären sie pubertierende Jugendliche und schuf unerhört Neues. Er führte in seinen Liedern die erreichbare Frau ein, das süße Mädel aus dem Volk! Diese Innovation führte zu einer literarischen Fehde, in der die konventionellen Hofsänger obsiegten. Vergebens sagte er zu ihnen: „Nennt es nicht Minne! Denn in Eurem Alter ist der Tumult im Blute zahm, es schleicht.“ Walter mußte die Residenzstadt und damit ein halbwegs gesichertes Einkommen verlassen, nicht ohne der Herzogin „Alte Vettel!“ zurückgerufen zu haben.

„Under der linden“, auch Mädchenklage genannt, ist Walthers bekanntester Minnesong. Interessanterweise bleibt er musikalisch in der Pentatonik, begnügt sich mit fünf Tönen, welche den damalig bekannten Planeten zugeordnet wurden, die ja heute noch unser Lebens- und Liebesschicksal bestimmen, getreu dem Empfinden: „Die Sonne thönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang und ihre vorgeschriebne Reise vollendet sie mit Donnergang!“

Die Frau berichtet:

Unter der Linden auf der Heide,
war unser gemeinsames Bette,
ihr könnt es noch sehen:
gebrochen Blumen und gedrücktes Gras.

Vor dem Wald in einem Tal –
Tandaradei –
schön sang die Nachtigall.

Ich kam gegangen zu der Aue,
mein Geliebter war schon vorher da,
er empfing mich „Jessasmaria!“
ich bin immer mehr selig geworden.

Küßt er mich?
Wohl tausend Stund!
Tandaradei –
Seht wie rot mir ist der Mund…

Musik: Schulmeyster & Gefolge
Text: Franz Mettauer
Video: Franz Regner

 

 

 

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