3. Lintzer Bürgerschmaus

Wieder ein gelungenes Ereignis war der 3. Lintzer Bürgerschmaus, der uns diesmal in die kulinarische Welt der Antike führte:

Wir begaben uns diesmal in das Refektorium des Klosters in Fulda des 9. Jahrhunderts, wo noch der römischen Kochkunst gefröhnt wurde.

Porcello coriandrato (Schweinebraten mit Koriandersauce), Puls (Getreidebrei), Betas (Rote Rüben mit Senfsauce), Gustum de preacoquis (pikante Marillenvorspeise), Mustacei (Mostbrötchen), Herbae rusticae (Landkräutersalat), und zum Abschluss Pepones, melones (Salat von zweierlei Melonen), und Brot, das alles meisterhaft zubereitet von der Fam. Berger vom Schlagerwirt brachte unsere Gaumen zum Jubeln.

Die Rezepte stammen aus einer frühmittelalterlichen Abschrift des Apicius, welche in Fulda angefertigt wurde, in der Bearbeitung von Franz Maier (www.imperiumromanum.com/kultur/kulinarium)
Die Familie Apicius war bereits in der Antike für ihr Streben nach der Perfektion der Kochkunst bekannt. Man geht heute davon aus, dass diese Rezeptsammlung gleich auf mehrere Familienmitglieder mit Namen Apicius zurückging (Quelle: Brandt E.: Untersuchungen zum römischen Kochbuche. Versuch einer Lösung der Apiciusfrage. Philologus Zeitschrift für das klassische Altertum. Leipzig: 1927 Supplementband XIX, S.164ff.). Derzeit existieren nur zwei vollständige Abschriften der Rezeptsammlung, beide aus karolingischer Zeit, also eigentlich aus dem Frühmittelalter (9. Jahrhundert).
Auch unsere diesmalige Rezeptauswahl ist der damaligen Haute cuisine zuzurechnen, sowohl von Art als auch Menge der verwendeten Zutaten. Ein Seitenblick auf das „gemeine Volk“ war der Puls, das Grundnahrungsmittel der Römer (und auch aller anderen Völker der damaligen mediterranen Welt) sowie das Brot, welches wir als Ciabatta interpretiert haben. Die Mostbrötchen sind dagegen schon wieder etwas „besseres“, das sich Gaius Normalrömer nicht jeden Tag wird geleistet haben, von den anderen Rezepten, welche nach so teuren Zutaten wie Silphium verlangen ganz zu schweigen.

 

Neben altbekannten Freunden, durften wir dieses Mal auch neue Gesichter begrüßen. So hatten wir dieses Mal die Ehre, vier wirklich nette Vertreter vom Banner der Wolfsklingen zu Passau kennen zu lernen.
Auf ein köstliches, kulinarisch wieder sehr ansprechendes und interessantes Mahl folgte ein Abend voll anregender Unterhaltung, sodass der Schmaus wieder als voller Erfolg zu verzeichnen ist.

Wie schon die ersten beiden Lintzer Bürgerschmause und auch die Journalclubs, fand auch dieses Event beim Schlagerwirt statt, einem historischen Gasthof in Feldkirchen/Donau, dessen Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurück reichen. Nochmal erwähnt werden muss an dieser Stelle das Engagement der Familie Berger, die wirklich alles menschenmögliche daransetzt, die Rezepte jedes Mal aufs Neue möglichst authentisch zu interpretieren (dieses Mal sogar mit einer Reise nach Osten, um Persisches Silphium zu ergattern) – dafür gebührt unseren Wirten unser herzlichster Dank!

Der nächste Schmaus ist in fixer Planung und wird als Abschluss der Lagersaison 2012 Ende Oktober/Anfang November stattfinden.

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